Mykhailo MELNYK: „Wir wussten, dass die Zulassung von Vertretern der Aggressorstaaten zu Volleyballwettbewerben nur eine Frage der Zeit war“

Der Präsident des Ukrainischen Volleyballverbands, Mykhailo Melnyk, kommentierte die Entscheidung des Internationalen Volleyballverbands (FIVB),Russland und Belarus wieder zu internationalen Wettbewerben auf Juniorenebene zuzulassen.
„Wir wussten, dass die Zulassung von Vertretern der Aggressorstaaten zu Volleyballwettbewerben nach der umstrittenen Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees nur eine Frage der Zeit war. Gespräche über weitere gemeinsame Schritte mit den Führungskräften uns freundlich gesinnter nationaler Verbände haben wir bereits vor der Bekanntgabe der FIVB-Entscheidung aufgenommen. Wir zögern nicht und verlieren keine Zeit.
Ich möchte daran erinnern, dass wir die Frage des Ausschlusses Russlands und Belarus’ von allen offiziellen Wettbewerben unter der Schirmherrschaft der FIVB und des Europäischen Volleyballverbands (CEV) bereits am Tag nach Beginn des umfassenden Krieges, am 25. Februar 2022, aufgeworfen haben. Wir konnten die zuständigen Gremien von der Berechtigung unserer Argumente überzeugen und unter anderem erreichen, dass Russland das Recht entzogen wurde, die Männer-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten.
Nun steht eine neue Herausforderung bevor. Selbstverständlich werden wir uns mit einer Stellungnahme an die FIVB wenden. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass die Chancen auf eine Wirkung gering sind. Es ist kein Geheimnis, dass Russland dank materieller Anreize Einfluss auf die Mehrheit der 202 nationalen Verbände hat, die der FIVB angehören. Daher wäre der Widerspruch einzelner europäischer Verbände nur ein Tropfen auf den heißen Stein und würde nichts verändern.
Anders sieht es bei der CEV aus, der 54 nationale Verbände angehören. Ein gutes Beispiel liefert der Fußball. Als die UEFA 2023 versuchte, russische Mannschaften teilweise wieder zuzulassen, erklärten umgehend 15 nationale Verbände, dass sie ihre Nationalmannschaften nicht gegen ein Land antreten lassen würden, das den blutigsten Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Das zeigte Wirkung, und die Frage einer Zulassung Russlands wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.
Wir haben die uneingeschränkte Unterstützung von vier nationalen Verbänden – Polen, Litauen, Lettland und Estland. Mit weiteren Ländern führen wir Gespräche. Die ukrainische Seite arbeitet daran, ebenso wie unsere Partner. So spricht beispielsweise der Präsident des Estnischen Volleyballverbands und Verteidigungsminister des Landes, Hanno Pevkur, mit seinen Amtskollegen aus den skandinavischen nationalen Verbänden. Derzeit haben wir allen Grund zu hoffen, dass diese Gespräche erfolgreich sein werden.
Gleichzeitig prüfen wir alternative Optionen für den Fall, dass russische und belarussische Volleyballspieler zu Wettbewerben auf Juniorenebene zugelassen werden. Wir schließen derzeit keine Maßnahmen aus – von einem Verzicht auf die Teilnahme an Wettbewerben bis hin zu demonstrativen Protestgesten. Uns ist bewusst, dass wir bei einem Fernbleiben von Wettbewerben unsere derzeitige Position in der Rangliste verlieren könnten. Dann müssten wir wieder bei null anfangen. Wenn wir jedoch zu dem Schluss kommen, dass ein solcher Schritt angebracht ist, werden wir ihn gehen“, erklärte der Präsident des Ukrainischen Volleyballverbands in einem Interview mit sport.ua.


